Die Stiftung Warentest hat von August 2017 bis Frühling 2018 einen Test von Automatischen Bewässerungssystemen durchgeführt und diesen im Heft von Mai 2018 veröffentlicht. Der Test kann gegen eine kleine Gebühr als Online-Artikel gekauft werden. Eine willkommene Informationsquelle vor Kauf eines Bewässerungssystems oder doch rausgeschmissene Euro? Ich habe mir das Heft besorgt und nehme den Artikel im Anschluss genauer unter die Lupe.

Der Artikel zu den Bewässerungssystem hat den Umfang von sieben A4 Seiten, davon eine Seite Tabellenteil, in dem die getesteten Systeme anhand verschiedener Kriterien bewertet werden und eine Seite, auf welcher der Testmodus nachvollzogen werden kann.  Getestet wurden 4 verschiedene Bewässerungssysteme der Hersteller Gardena, Regenmeister, Kärcher und die Eigenmarke for_q der Baumarktkette Hornbach. Damit auch bereits zu meinem größten Kritikpunkt an diesem Test: Die Anbieterauswahl ist sehr schwer nachvollziehbar! Nur 4 getestete Systeme sind prinzipiell schon einmal recht wenig und eines davon – das Kärcher System – ist nicht das, was man landläufig unter einem automatischen Bewässerungssystem versteht. Wird es doch komplett oberirdisch verlegt. Das Hauptproblem ist aber, dass die großen Weltmarktführer aus den USA komplett außen vor gelassen wurden: Rainbird und Hunter sind heute im deutschsprachigen Raum problemlos auch für Privatpersonen erhältlich, ebenso Toro . Daher ist es völlig unverständlich, warum diese Hersteller im Test nicht mit berücksichtigt wurden. Damit wurde die Chance vergeben, den Lesern zu zeigen, dass es auch Alternativen zu Gardena gibt.

Im Test wird für einen 100 Quadratmeter Garten, in dem sowohl gewöhnliche Bewässerung als auch Mikrobewässerung benötigt wird, ein Bewässerungssystem gesucht. Dazu wurde von den Testern ein Plan angefertigt und darauf basierend die Hersteller ersucht, eine Produktliste zu schicken, mit der man das Vorhaben bestmöglich umsetzen kann. Aus diesen Teilen wurden dann in Testgärten jeweils ein Bewässerungssystem aufgebaut und anschließend verschiedenen Tests unterzogen. Hierzu ein weiterer kleiner Kritikpunkt: Die Systeme werden im Test immer als abgeschlossene Ökosysteme betrachtet. Tatsächlich ist es aber so, dass ein herstellerübergreifendes Mischen von Komponenten in der Praxis durchaus üblich ist und auch überhaupt kein Problem darstellt. Die Grundprinzipien und Normen sind über alle Hersteller hinweg mehr oder weniger die selben. Daher wäre es wesentlich sinnvoller gewesen, einzelne Komponenten wie Regner, Bewässerungscomputer, Ventile, Sensoren etc. zu testen und gegenüber zu stellen anstatt ganzer Systeme. So wird im Test z.B. auch als negativer Punkt genannt, dass bei Verwendung eines Gardena Entwässerungsventils sich nach jedem Gießen die gesamte Pipeline entleert und damit Wasser verschwendet wird. Das Argument mag vielleicht richtig sein, das Entwässerungsventil ist im Gardena System jedoch rein optional, man muss es nicht dazu kaufen und kann die Pipeline vor dem Winter stattdessen auch mittels Kompressor ausblasen. Daher ist es nicht nachvollziehbar, warum das als Grund für einen Punkteabzug herangezogen wird.

Gut finde ich, dass man die Testgärten über längere Zeit beobachtet hat und auch kontrolliert hat, ob nach der ersten Überwinterung alles noch ordnungsgemäß funktioniert. Noch besser wäre es hier den Zeitraum von einigen Wintern zu betrachten, denn vieles gibt erst im 2ten, 3ten oder 4ten Jahr den Geist auf. Dass schon nach dem ersten Jahr etwas kaputt wird, ist nach meiner Erfahrung eher die Ausnahme. Dafür kann ich das uneingeschränkte Lob für die Gardena Wassersteckdosen nicht ganz teilen. Die Anwendung ist toll, aber mir gehen die Dinger nach nur wenigen Jahren Einsatz zu schnell kaputt, der Wasserstopp-Mechanismus funktioniert dann nicht mehr, siehe dazu meinen Blogbeitrag zum Thema Wassersteckdose.

Deutliche Mängel zeigten im Test übrigens die Verbinder  (Kupplungen und T-Stücke) von zwei Herstellern. Und bei zwei Bewässerungscomputern gab es deutliche Abzüge, weil sie den Wasserdurchfluss bei großen Wassermengen lt. Artikel deutlich reduzieren. Insgesamt sehr interessant zu lesen ist der Vergleichstabellenteil.

Kaufen oder nicht?

Der Test berücksichtigt leider einen Großteil der relevanten Anbieter nicht. Interessiert man sich für eine Gardena Anlage oder eine der drei anderen getesteten Anlagen, kann man über einen Kauf des Tests nachdenken, immerhin erfährt man in den Vergleichstabellen interessante Details, die man in die Kaufentscheidung einfließen lassen kann. Der Preis für das Freischalten des Artikels ist mit gerade einmal 1,50 Euro fair bemessen, für 7,90 Euro kann man sich bei Bedarf gleich alle Stiftung Warentest-Artikel für einen Monat freischalten lassen.

Als alleinige und umfassende Informationsquelle ist der Stiftung Warentest Artikel nicht geeignet, da findet man in den Weiten des Internets wesentlich bessere Informationen.

Link: Stiftung Warentest Artikel „Gartenbewässerung – Nur ein Bewässerungssystem funktioniert gut“ (kostenpflichtig, 2,50 Euro)

 

Der Test der Automatischen Bewässerungssysteme ist in der Mai 2018 Ausgabe des Stiftung Warentest Magazins erschienen.