Entwässerungsventile, oder auch Entleerungsventile bzw. Wasserablassventile genannt, werden verwendet, um das Bewässerungssystem vor Frost zu schützen. Wie das funktioniert, welche Vor- und Nachteile es hat und welche Alternativen es dazu gibt, erklärt der folgende Beitrag.

Aufgrund des in unseren Breiten vorherrschenden Klimas ist es in jedem Fall notwendig, das Bewässerungssystem vor Beginn der kalten Jahreszeit winterfest zu machen. Das bedeutet dafür zu sorgen, dass sich kein Wasser mehr in der Pipeline und den daran anschließenden Einbauteilen befindet. Denn dieses würde bei Minusgraden gefrieren. Wandelt sich Wasser in Eis um, erhöht sich das Volumen um ca. 1/11 und das kann die Pipelineleitung bzw. Einbauteile, in denen sich Wasser befindet, zum Platzen bringen. Diese Gefahr kann man vermeiden, indem man das System vor Start des Winters mit Druckluft ausbläst, oder indem man von Vornherein eine Entwässerung fix in das System mit einbaut.

Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile: Beim Einbau einer fixen Entwässerung braucht man im laufenden Betrieb nicht mehr an die Entwässerung denken, da sie automatisch geschieht. Im Gegenzug bedeutet die Entwässerung in der Installation (geringe) zusätzliche Kosten. Und eine gewisse Menge an Wasser wird unnötig verschwendet, da sich das Entwässerungsventil nach Beendigung jedes Bewässerungslaufes entleert (mehr dazu und weitere potentielle Nachteile weiter unten im Kapitel „Nachteile eines Entwässerungsventils“). Entscheidet man sich für die manuelle Entwässerung mit Druckluft, fällt einmal jährlich ein gewisser Zeitaufwand für die Durchführung des Ausblasens an. Und Kosten für die Anschaffung eines dafür notwendigen Kompressors.

Eine dritte mögliche Variante ist eine fix eingebaute manuell zu bedienende Entwässerung mittels Kugelhahn, diese Möglichkeit stelle ich ganz am Ende des Beitrages vor.

Wie funktioniert ein Entwässerungsventil?

Das Entwässerungsventil ist von Haus aus im geöffneten Zustand. Das was an Wasser oben hineinrinnt, kommt unten wieder raus. Auf der Oberseite des Ventils ist ein Schließmechanismus angebracht. Wird geringer Druck darauf ausgeübt, schließt er sich und lässt kein Wasser mehr durch. Das lässt sich in folgendem Videoausschnitt nachvollziehen, in dem der Mechanismus durch leichtes Antippen mit einem Finger geschlossen wird.


Zum Schließen des Ventils ist demnach ein bestimmter Wasserdruck in der Leitung erforderlich. Beim Gardena Entwässerungsventil beträgt dieser 0,2 bar, bei Entwässerungsventilen anderer Hersteller dürften die Werte sehr ähnlich sein. Beträgt der Druck in der Leitung also mehr als 0,2 bar, bleibt es trocken. Sobald die Bewässerung beendet wird und der Druck unter 0,2 bar fällt, lässt das Ventil das Wasser entweichen. Das folgende Video zeigt diesen Zusammenhang anhand eines provisorisch installiertes Entwässerungsventils.

Wie baut man ein Entwässerungsventil ein?

Das Entwässerungsventil wird in die Pipeline an der tiefsten Stelle der Pipeline eingebaut. Entweder diese Stelle ergibt sich von selbst, aufgrund eines natürlichen Gefälles der zu bewässernden Fläche, oder man muss diese tiefste Stelle künstlich schaffen, indem man den Pipelinegraben an dieser Stelle tiefer ausführt, so dass sich zum Entwässerungsventil hin ein sanftes Gefälle ergibt.

Merke: In einer Hanglage darf der Höhenunterschied maximal 2 Meter betragen. Ist er größer, dann muss je 2 Meter Höhenunterschied ein Entwässerungsventil in die Pipeline eingebaut werden!

Besteht das Bewässerungssystem aus mehreren Sektoren, ist in jedem Sektor ein Entwässerungsventil vorzusehen. Das Entwässerungsventils wird ähnlich wie ein Regner mittels Verbinder in die Pipeline eingebaut. Die Entwässerungsventile haben je nach Hersteller ein 1/2 Zoll oder 3/4 Zoll Gewinde. Das Entwässerungsventil von Gardena hat ein 1/2 Zoll Gewinde und es liegt zusätzlich ein Reduzierstück von 3/4 Zoll auf 1/2 Zoll bei.

Somit kann man für die Gardena Entwässerungsventile zum Anschluss einen Verbinder mit 3/4 Zoll Innengewinde-Anschluss verwenden:

Verlängerungsstück mit 3/4 Zoll Innengewinde-Anschluss Endstück mit 3/4 Zoll Innengewinde-Anschluss L-Stück mit 3/4 Zoll Innengewinde-Anschluss

Oder natürlich auch einen derartigen Verbinder mit 1/2 Zoll Innengewinde, der zwar nicht von Gardena aber anderen Herstellern angeboten wird. Alternativ ist auch ein Einbau mit einer sogenannten „Anbohrschelle“ mit 1/2 Zoll oder 3/4 Zoll Innengewinde möglich.

Im Anschluss eine Schritt für Schritt Anleitung für den Einbau anhand des Gardena Entwässerungsventils:

Im Lieferumfang des Gardena Ventils sind 3 Dinge enthalten:

  • Das Ventil
  • Ein Adapterstück zur Reduzierung eines 3/4 Zoll Gewindes auf 1/2 Zoll
  • Eine Schutzhaube

Gardena Ventil, Gewindeadapter und Schutzhaube in Originalverpackung

Die 3 Komponenten werden wie im Folgenden abgebildet zusammengesetzt. Um die Gewinde Teflonband nicht vergessen!

So wird das Entwässerungsventil in einem 3/4 Zoll Gardena Verbinder montiert

Die Auslassöffnung des Entwässerungsventils wird an der Pipeline entweder nach unten oder zur Seite hin ausgerichtet:

Zusammengebautes Entwässerungsventil an den Pipelinerohren nach unten ausgerichtet

Das Entwässerungsventil wird im Graben mit grobem, gewaschenem Kies umgeben eingebaut. Das dient als Drainage, die das ausgelassene Wasser schnell nach unten abfließen lässt. Zudem schützt es das Ventil vor Verschmutzung durch Erdteilchen. In etwa ein Kieswürfel mit 20 bis 30 Zentimeter Höhe, Länge und Breite wird empfohlen. Der Kies sollte zumindest 8 Millimeter Durchmesser haben. An der Stelle im Graben, an das Entwässerungsventil eingebaut wird, muss somit, abgesehen davon dass diese die tiefste Stelle der Pipeline sein muss, auch noch ein weiteres Stück in ungefähr quadratischer Form nach unten gegraben werden. Eine Höhe von 10 bis 12 Zentimeter sollte in etwa passen, der Rest zu den 20 Zentimetern kommt dann oben darauf.

Im Graben vorbereiteter Auslass für die Kiespackung

Hier wird nun der Kies eingefüllt und die Pipeline samt Entwässerungsventil eingelegt. Die Kiespackung kann man optional zusätzlich auch noch mit Filter- oder Drainagevlies umwickeln, um sie noch besser vor Schmutzeintritt zu schützen. Vor dem nächsten Schritt sollte man nun noch einen Funktionstest machen, um sicherzustellen, dass das Entwässerungsventil korrekt funktioniert. Also Wasserzufuhr aufdrehen, dann wieder abdrehen und kontrollieren, dass das Wasser aus dem Entwässerungsventil ausläuft.

In Kiespackung eingelegtes Entwässerungsventil

Nun wird zum Abschluss noch Rest des Kies über dem Entwässerungsventil aufgeschüttet. Dazu am besten links und rechts im Graben provisorische Stützen platzieren, damit sich der Kies nicht zu sehr in die Breite verteilt und das Aufschütten halbwegs würfelförmig gelingt.

Von allen Seiten mit Kies umgebenes Entwässerungsventil (um den Kies am vorgesehenen Platz zu halten sind links und rechts zwei Erdanker eingeschlagen)

Laufen im Graben parallel mehrere Pipelinestränge, dann bietet es sich an, die Entwässerungsventile für alle gemeinsam an der gleichen Stelle einzubauen. In dem Fall ist der Kieskoffer gegebenenfalls etwas größer auszuführen.

Mögliche Nachteile der Nutzung eines Entwässerungsventils

Die Nutzung eines Entwässerungsventils kann potentiell folgende Nachteile mit sich bringen:

  • Verschwendung von Wasser

Wie weiter oben beschrieben öffnet sich das Ventil jedes mal, wenn der Wasserdruck nachlässt. Somit führt jede Beendigung einer Bewässerung zu einer kompletten Entleerung der Pipeline. Werden mehrere Sektoren nacheinander durchlaufen, gilt das für jeden der Sektoren. Beim üblichem 25 mm PE-Rohr gehen so je Bewässerungslauf für jeden verlegten Meter Pipeline in etwa 0,3 Liter Wasser verloren. Umfasst der Pipelinestrang also zum Beispiel 40 Meter, dann wären das 12 Liter Wasser. Das ist im Vergleich zur Menge des vergossenen Wassers, das in einem Bewässerungslauf 1000 Liter und deutlich mehr betragen kann, nicht dramatisch viel. Aber über eine Bewässerungssaison summiert sich das natürlich. Und der Effekt ist umso größer, je öfter man bewässert: Wird der Rasen nur 1 mal pro Woche bewässert, dann hat man auch nur ein mal pro Woche eine Entleerung, gießt man 3 mal am Tag, dann wird auch 3 mal am Tag automatisch entleert.

  • Gefahr von Beschädigung/nicht mehr ordnungsgemäßer Funktion

Das Entwässerungsventil kann im Laufe der Zeit defekt werden. Grund dafür kann die Beeinträchtigung durch einwachsende Wurzeln sein, oder auch eine Verunreinigung durch Feinteilchen. Das kann dazu führen, dass das Wasser nicht mehr ordnungsgemäß entleert wird, oder aber auch dazu, dass das Ventil während der Bewässerung nicht mehr absolut dicht ist und Wasser abläuft. Das führt dann zu Druckverlust, sodass während der Bewässerung weniger Druck zur Verfügung steht. Diese potentielle Gefahr ist umso relevanter, je unzugänglicher das Entwässerungsventil montiert wurde. Hat man es tief in der Erde vergraben, dann wird man das Problem erstens nicht sofort mitbekommen und zweitens ist zur Behebung ein komplettes Ausgraben des Ventils notwendig.

Wenn man mit dieser potentiellen Gefahr nicht leben kann oder will, dann ist die Nutzung eines manuellen Entwässerungsventils in einem Ventilkasten eine mögliche Alternative. Damit hat man dann auch den Nachteil der Wasserverschwendung nicht.  Mehr zu dieser Möglichkeit am Ende des Berichts.

Am Markt angebotene Entwässerungsventile

Die Auswahl an Entwässerungsventilen ist überschaubar. Da gibt es das im Text zuvor beschriebene Entwässerungsventil von Gardena, das sowohl im Baumarkt als auch online leicht erhältlich ist und nach meiner bisherigen Erfahrung auch korrekt funktioniert. Hunter hat kein Entwässerungsventil im Sortiment, von Rain Bird gibt es das Rain Bird SLS 16a, von Toro das Toro 53740. Sowohl das Rain Bird als auch das Toro Ventil sind im amerikanischen Amazon Ableger (Amazon.com) mit 4,5 von 5 Punkten sehr gut bewertet. Leider sind sie im deutschsprachigen Amazon nur von Zeit zu Zeit erhältlich, weswegen ich sie auch unten stehend nicht verlinke. Bei Interesse einfach selbständig auf Amazon mit den oben angegebenen Typenbezeichnungen danach suchen! Im englischen Original heißen diese Dinger übrigens „autodrain ventils“.

Bei Amazon findet man als zusätzliche Alternative auch noch einige No-Name-Entwässerungsventile, zu deren Qualität ich nichts sagen kann. DVS Beregnung und zeitweise auch Amazon bieten auch noch ein Marken-Entwässerungsventil der Bewässerungsfirma Orbit an, das lt. Produktbeschreibung über eine integrierte Wurzeleinwuchssperre verfügt.

Gardena Entwässerungsventil Orbit 51241

Alternative: Manuelle Entwässerung mit Kugelhahn

Eine weitere Alternative zum automatischen Entwässerungsventil und zum Ausblasen der Leitungen mit Druckluft ist es, ein manuell zu bedienendes Ablassventil in Form eines Kugelhahnes einzubauen.

Der Kugelhahn wird – genau so wie beim automatischen Entwässerungsventil – an der tiefsten Stelle der Pipeline eingebaut und es benötigt ebenso je Bewässerungsstrang einen Kugelhahn. Den Kugelhahn baut man am einfachsten an einem Verbinder mit 3/4 Zoll Innengewinde ein, also am gleichen Verbinder, den man auch zum Anschluss des automatischen Entwässerungsventils nimmt (z.B. das weiter oben abgebildete Verlängerungsstück mit 3/4 Zoll Innengewinde-Anschluss).

Der Kugelhahn muss genau wie zuvor beschrieben mit Kies unterfüttert werden, damit das Wasser gut ablaufen kann. Er wird in einen Ventilkasten eingebaut, also einer solche Box, wie sie auch für Magnetventile benutzt wird.

Der Ventilkasten wird in die Erde eingegraben und ist mittels stabilem Deckel von oben zugänglich. Ist es Zeit für die Einwinterung, wird der Kugelhahn einfach manuell geöffnet und das Wasser fließt aus. Im Vergleich zum automatischen Entwässerungsventil ergeben sich somit zwei Vorteile:

  • Der Kugelhahn ist frei zugänglich, kann jederzeit kontrolliert und im Falle eines Defekts leicht getauscht werden
  • Da nur 1 mal im Jahr entwässert wird, wird kein Wasser verschwendet

Der Einbau in einen Ventilkasten wäre alternativ natürlich auch für ein automatisches Entwässerungsventil möglich.

Fazit und Empfehlung

Will man eine Lösung, die automatisch ohne weiteres Zutun funktioniert, dann ist das automatische Entwässerungsventil die richtige Wahl. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass man dieses nach einigen Jahren einmal wieder ausgraben und wechseln muss. Baut man es stattdessen in einen Ventilkasten ein, dann kann man die ordnungsgemäße Funktion gut im Auge behalten und im Fall der Fälle sehr einfach wieder herstellen.

Will man es noch besser machen, dann baut man in den Ventilkasten gleich statt dem Entwässerungsventil einen manuellen Kugelhahn-Ablass ein. Das hat zusätzlich noch den Vorteil, dass man kein Wasser verschwendet. Will man sich bei der Planung und Montage noch gar nicht mit dem Thema beschäftigen, dann ist das jährliche Ausblasen mit Druckluft-Kompressor das Mittel der Wahl.