Wenn Sie eine Lösung suchen, ihre Blumenkästen im Urlaub auch einmal mehrere Tage alleine lassen zu können, ohne jemanden zum Gießen zu organisieren. Oder auch sonst gerne mal aufs Blumengießen vergessen bzw. diese Arbeit auf das notwendige Minimum beschränken möchten, dann könnten Blumenkästen mit eingebautem Wasserspeicher interessant für Sie sein. Im Anschluss beschreibe ich, wie diese funktionieren und welche Vorteile sie bringen.

Solche sich selbst versorgende Pflanzsysteme gibt es nicht nur in Form von Pflanzkästen, sondern auch als Pflanzkübel und Pflanztöpfe. Je nach Anbieter kann die genaue Funktionsweise etwas variieren, der prinzipielle Aufbau ist aber immer der gleiche:

  • Ein Innenteil, in dem sich die Erde befindet und die Pflanzen eingesetzt werden
  • Ein umgebender Außenteil, der als Wasserspeicher dient
  • Und eine Verbindung zwischen Innenteil und Außenteil, die es den Pflanzen ermöglicht an das Wasser zu gelangen

Der wesentliche Unterschied zwischen den verschiedenen am Markt angebotenen Produkten besteht im letzten Punkt, also der Art und Weise wie sich die Pflanzen am Wasserreservoir bedienen. Manche Hersteller schreiben hier recht vollmundig von einem integrierten Bewässerungssystem, im Grunde genommen sind es aber recht einfache und lange bekannte Prinzipien, die hier zur Anwendung kommen:

Selbstabholung des Wassers über die Wurzeln

Bei diesem System wird die Pflanze zunächst ganz konventionell von oben gegossen bis sie mit ihren Wurzeln immer weiter nach unten bis in die kegelförmigen Ausbuchtungen in der Bodenplatte hineinwächst. Diese sogenannten Ansaugtrichter sind wasserdurchlässig, sodass die Erde in diesem Bereich feucht ist und die Pflanzen mit Wasser versorgt. Das Hineinwachsen in diesen Bereich wird teils noch mit einer Substratschicht oberhalb des Trennbodens unterstützt.

Sind die Wurzeln tief genug in die Ansaugtrichter vorgedrungen, wird das Gießen von oben eingestellt und stattdessen von nun an das Wasserreservoir direkt aufgefüllt, sodass sich die Pflanze über ihre Wurzeln selbständig aus diesem bedienen kann und weniger oft gegossen werden muss.

Beispielhafter Aufbau des zuvor beschriebenen Systems. Links mit eingesetztem Verschluss bei Nutzung im Wohnbereich, rechts mit entferntem Verschluss bei Nutzung im Freien (Wasser muss bei Regenfällen bei Überschreiten einer bestimmter Marke abfließen können), Bild: LECHUZA

Da es die meisten Pflanzen nicht besonders lieben, dauerhaft mit den Wurzeln in der feuchten Erde zu stehen, sind bei einem solchen System immer wieder Phasen vorgesehen, in denen der Wasserbehälter einige Tage ohne Wasser bleibt und die Wurzeln so abtrocknen können. Zu diesem Zweck wird einem der Füllstand mit einem Wasserstandsanzeiger angezeigt, so dass man sein Gießverhalten daran ausrichten kann. Der Pionier unter diesen Systemen ist die Firma Lechuza. Diese bietet jedoch zusätzlich auch Systeme der zweiten, im Anschluss beschriebenen Art an, die mit einem Docht arbeiten.

Systeme mit Docht, Kordel oder Vlies

Diese Systeme basieren allesamt auf dem Prinzip der Kapillarbewässerung. Dieses kann man sich wie einen Schwamm vorstellen, der im Wasser liegt. Auch wenn nur die Unterseite des Schwammes mit dem Wasser in Berührung kommt, saugt sich der ganze Schwamm vollkommen mit Wasser voll. Das Wasser klettert also wie von Zauberhand von unten nach oben. Andere solche Beispiele sind der Docht in einer Öllampe, Löschpapier oder Windeln. Bestimmte Materialien sind demnach in der Lage, Wasser durch einen natürlichen „Ansaugeffekt“ von tieferen in höhere Lagen zu bringen.

In selbstbewässernden Pflanzentöpfen werden zu diesem Zweck vor allem Schnüre, Dochte, Kordel oder Vliese aus Baumwolle oder Fiberglas verwendet. Diese hängen vom Pflanzbereich in den Wasserspeicher hinein, saugen sich voll und sorgen so dafür, dass die Pflanzen kontinuierlich mit Wasser versorgt werden.

Beispiel für den Aufbau eines Systems mit Docht, Bild: LECHUZA

Beide Systeme sind zumeist mit einem Überlauf ausgestattet, über den überschüssiges Wasser entweichen kann. Das ist vor allem dann von Bedeutung, wenn die Pflanze im Freien steht, da es sonst bei starken Regenfällen zu Staunässe kommen würde. Überschreitet der Stand im Wasserspeicher einen bestimmten Pegel, fließt daher das überschüssige Wasser ab. Steht der Pflanztopf im regengeschützten Innenbereich, dann kann man diesen Überlauf verschließen, da man die Höhe des Wasserpegels dann selbst kontrollieren kann.

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Wie lange hält der Wasservorrat?

Das kann man so pauschal nicht beantworten. Die Antwort hängt einerseits von der Größe des Tanks ab und andererseits auch sehr stark von der Art der angesetzten Pflanzen. Und zu guter Letzt auch noch vom Wetter und dem Standort der Pflanze (sonnig oder schattig). Ja nachdem kann die Pflanze mit einem vollen Tank ein paar Tage bis mehrere Wochen auskommen.

Welche Arten von Pflanzgefäßen werden angeboten?

Selbstbewässernde Gefäße werden in allen möglichen Formen und Größen angeboten. Vom kleinen Blumentopf bis zum großen Balkonkasten, rund oder eckig, schmal oder breit, niedrig oder hoch, bullig oder zierlich. Die mir bekannten Produkte sind ausnahmslos aus Kunststoff. Größter Anbieter ist die Firma Lechuza, die auf diesem Gebiet seit mittlerweile mehr als 20 Jahren tätig ist. Weitere Alternativen sind z.B. Pflanzwerk, Deuba, Kreher, Formizon, Vivanno oder Ondis24.

Welche Nachteile haben Pflanzkästen mit Wasserreservoir?

In erster Linie vor allem einen größeren Platzbedarf im Vergleich zu herkömmlichen Produkten, da das Reservoir logischerweise den Blumenkasten größer macht.

Und einen höheren Preis: Etablierte Markenprodukte wie z.B. jenes von Lechuza kosten spürbar mehr als normale Pflanzgefäße. Benötigt man eine größere Anzahl davon, dann kann das ganz schön ins Geld gehen. In einem solchen Fall könnte es sich lohnen, eines der zahlreichen weniger bekannten Mitbewerberprodukte auszuprobieren, die es teils deutlich billiger geben. Im Web findet man zudem die eine oder andere Bastelanleitung, um sich alternativ einen Blumenkasten mit Wasserspeicher selbst zu bauen, in der Regel nach dem Prinzip der Kapillarbewässerung also mit Schnur oder Docht.

Ein weiterer potentieller Nachteil ist, dass man nur begrenzt in das System eingreifen kann. Funktioniert es gut, kein Problem, bekommt die Pflanze aber zu viel oder zu wenig Wasser ab, dann kann man das kaum durch manuelles Zutun beeinflussen.

Und Jungpflanzen können nicht auf diese Art und und Weise mit Wasser versorgt werden, da ihre Wurzeln noch zu kurz sind. Diese muss man zuerst einige Tage bis Wochen auf die konventionelle Art von oben bewässern.

Titelbild: LECHUZA