Jungbäume brauchen in den ersten Jahren nach ihrer Anpflanzung ausgiebig Wasser, um ordentlich anzuwachsen und ihre Wurzeln zu entwickeln. Und als Folge des Klimawandels und der damit einhergehenden häufigeren und längeren Trockenperioden sollten selbst ältere Bäume fallweise bei der Wasserversorgung unterstützt werden, um Trockenschäden zu vermeiden. Zu diesem Zweck werden eigene Systeme bzw. Hilfsmittel zur Baumbewässerung angeboten. Im Anschluss stelle ich diese vor und erkläre zudem, was man alternativ ohne zusätzliche Kosten machen kann.

Gerade bei Bäumen scheint einem der Bedarf an zusätzlicher Bewässerung auf den ersten Blick unlogisch: Schließlich überleben die Bäume im Wald ja auch, ohne dass sie von Menschenhand gegossen werden. Diese haben jedoch ganz andere Voraussetzungen als alleine stehende Bäume, da der Wald einerseits Schatten spendet und zudem die Pflanzen im Wald über ein feines Netz aus Pilzfäden miteinander verbunden sind und darüber Wasser und Nährstoffe austauschen. So lassen sich über dieses Netz Mängel ausgleichen und finden junge Bäume Unterstützung beim Anwachsen. Bäume außerhalb eines Waldes sind hingegen auf sich alleine gestellt und öfter Trockenstress ausgesetzt. Dieser kann sich in Mangelerscheinungen bzw. einem schlechten Gedeihen des Baumes äußern, im schlimmsten Fall aber auch zum Absterben des Baumes führen.

Frisch gepflanzte Bäume sollten im ersten Jahr nach Auspflanzung ein bis zwei mal pro Woche ausgiebig gegossen werden, mit fortschreitendem Alter, wenn die Wurzeln dann auch in tiefere Schichten reichen, braucht der Baum dann nur mehr weniger häufig zusätzliches Nass, z.B. nur mehr einmal im Monat, bis sich der Bedarf an zusätzlicher Bewässerung dann schlussendlich nur mehr auf längere Hitze- und Trockenperioden beschränkt. Ausnahmen von der Regel können sehr engen Pflanzungen oder Pflanzungen auf stark verdichtetem Boden sein, für diese Fälle ist unter Umständen eine dauerhafte Bewässerung notwendig.

Wie bei Rasen und Hecke gilt auch beim Baum: Nicht täglich ein bisschen etwas, sondern weniger häufig und dafür viel Wasser auf einmal gießen, so dass es tief bis in den Wurzelbereich einsickern kann und die Erdschicht für längere Zeit feucht bleibt. Ideal ist hier eine Wassermenge von zumindest 70 Liter aufwärts.

Im Anschluss eine Vorstellung der beliebtesten Methoden zur Baumbewässerung:

Bewässerung mit Baumsack

Das sind jene großen Säcke, die man, wenn man aufmerksam durch eine Stadt geht, an quasi jedem Baum angebracht sieht. Man könnte annehmen, der Sack schützt den Baumstamm vor Kälte bzw. Beschädigung, tatsächlich dienst er aber zur Bewässerung. Die Bezeichnung dafür ist nicht immer einheitlich, teils werden auch die Begriffe Bewässerungssack bzw. Bewässerungsbeutel dafür verwendet.

Die Installation eines solchen Sackes ist sehr einfach: Der Sack wird je nach Modell einfach um den Baumstamm herum gewickelt und anschließend mit einem Reißverschluss verschlossen oder am Baumstamm festgebunden. Auf diese Weise kann der leere Sack nicht wegfliegen und im vollgefüllten Zustand nicht umfallen. Bei größeren Bäumen kann man mehrere Baumsäcke aneinander reihen.

Der Baumsack wird um den Baumstamm gewickelt und dann der Reißverschluss zugezogen

Der Baumsack ist doppelt ummantelt, so dass zwischen den beiden Schichten ein Hohlraum besteht. In diesen Hohlraum wird über eine Einfüllöffnung das Wasser gefüllt, ein üblicher Baumsack fasst 75 Liter Wasser. Das Befüllen erfolgt am einfachsten über einen Gartenschlauch.

Die Befüllung erfolgt über eine Öffnung in die Innentasche des Sackes

Das Wasser wird nach erfolgter Befüllung langsam und gleichmäßig an den Boden abgegeben. Dafür sorgen im Bodenbereich des Sackes angebrachte kleine Bewässerungslöcher, durch die das Wasser auf die Erde tropft und in den Wurzelbereich unterhalb des Baumsackes fließt. Je nach Hersteller und Größe der Bewässerungslöcher erstreckt sich der Zeitraum bis zur vollständigen Leerung des Baumsackes über 6 bis 11 Stunden. Der Sack reduziert gleichzeitig die Verdunstung, da er den Bodenbereich in dem das Wasser abgegeben wird abdeckt.

Einen Baumsack kann man jederzeit wieder vom Baum entfernen und an anderer Stelle verwenden, z.B. wenn der Baum alt genug ist und kein zusätzliches Wasser mehr benötigt.

Warum werden Baumsäcke verwendet?

Und stattdessen der Baum nicht einfach direkt mit dem Schlauch gegossen? Würde man eine solche große Wassermenge auf einmal gießen, dann könnte der Boden um den Baum diese so abrupt nicht aufnehmen und ein großer Teil des Wassers würde am Wurzelbereich des Baumes vorbei abrinnen. Man müsste also alternativ die Wassermenge über eine längere Zeit verteilt ausbringen, was umständlich und aufwändig ist, bzw. in Kauf nehmen, dass viel Wasser unnötig verschwendet wird. Den Baumsack kann man hingegen zeitsparend schnell anfüllen und die über viele Stunden verteilte Mikrobewässerung ist besonders effektiv, da der Wurzelbereich genügend Zeit hat, das Wasser vollständig aufzunehmen.

Einen Baumsack kann man für etwa 15 bis 20 Euro kaufen.

Baumsäcke bei Amazon:

Bewässerung mit Drainagerohr

Bei dieser Form der Bewässerung baut man neben dem neu eingesetzten Baum ein ausreichend langes, an der Erdoberfläche endendes Drainagerohr mit ein, um den Wurzelbereich von oben direkt mit Wasser versorgen zu können. Damit das Wasser nicht nur am Rohrende sondern über die gesamte Rohrlänge abgegeben wird, muss das Rohr seitlich mit Löchern versehen sein. Auf diese Art und Weise ist es auch sehr gut möglich, Dünger direkt an die Wurzeln zu bringen.

Anders als der zuvor beschriebene Baumsack verbleibt das Drainagerohr dauerhaft im Boden. Bei älteren Bäumen kann es weiterhin für fallweises Gießen bei Trockenheit genutzt werden.

Vollautomatische Siebrohr-Bewässerung

Quasi eine Weiterentwicklung der zuvor beschriebenen Methode ist die Bewässerung mit Siebrohr. Diese hat im vergleich zu den zwei zuvor beschriebenen Methoden unter anderem den Vorteil, dass eine Bewässerung auch bei Abwesenheit z.B. im Urlaub möglich ist, da sie vollkommen automatisiert werden kann.

Siebrohre in unterschiedlichen Größen (Foto mit freundlicher Genehmigung von Hunter Industries Incorporated)

Ein Siebrohr ist im Prinzip einem Drainagerohr sehr ähnlich, besteht jedoch aus einem geradem Rohr, aus festerem nicht biegbarem Material. Wie es der Name schon sagt, ist das Rohr wie ein Sieb durchgängig löchrig. Auf der Unterseite ist es offen und oben wird ein Deckel mit Lüftungsschlitzen darauf gesetzt. Dieser ermöglicht, dass das Siebrohr von oben problemlos betreten werden kann und dient zudem dem Schutz der Technik vor Vandalismus. bzw. versehentlicher Beschädigung. Die Lüftungsschlitze im Deckel haben den Zweck, dass von oben Luft an die Wurzeln kommt, was sich zusätzlich positiv auf den Baum auswirkt.

Siebrohr in eingebautem Zustand (Foto mit freundlicher Genehmigung von Hunter Industries Incorporated)

Die Wasserzufuhr erfolgt beim Siebrohr anders als beim Drainagerohr nicht von oben, indem Wasser in das Rohr geschüttet wird, sondern das Wasser wird unterirdisch, von oben quasi unsichtbar, mit einer Bewässerungspipeline zum Rohr geführt. Dazu ist am Siebrohr ein Swing Joint Verbinder angebracht, mit dem man dieses sehr flexibel an eine Pipeline anschließen kann. Wie man so eine Bewässerungspipeline baut, erkläre ich detailliert auf der Planungs- sowie auf der Montageseite dieser Website.

Im Inneren des Siebrohres befindet sich für gewöhnlich ein druckregulierender Bubbler, der den Wasserdruck auf das benötigte Niveau reduziert und aus dem das Wasser gemächlich in 360 Grad herausströmt. Das Wasser läuft auf allen Seiten am Siebrohrrand entlang und gelangt durch die Sieblöcher nach außen in den Wurzelbereich.

Das RZWS Siebrohr von Hunter z.B. gibt pro Stunde je nach Modell zwischen 60 und 110 Liter Wasser ab. Den Bubbler im Siebrohr kann man tauschen, also bei Bedarf auch gegen einen Bubbler mit mehr oder weniger Literleistung pro Stunde ersetzen. Das kann ganz einfach von oben, durch Abnahme des Deckels geschehen. Im Hunter RZWS Siebrohr sind die Hunter PCB Bubbler verbaut, die es außer mit 60 und 110 Litern auch noch mit 230 und 460 Litern pro Stunde gibt. Allerdings macht eine schnellere Bewässerung normalerweise in der Praxis keinen Sinn, da eine langsame, schonende Bewässerung ideal für den Baum ist. Das ist auch ein wesentlicher Vorteil zur zuvor beschriebenen Drainagerohr-Methode, in der das Wasser in großer Menge in einem Schwung in das Rohr geschüttet wird.

Pro Baum wird jeweils links und rechts vom Baum ein Siebrohr in der Erde vergraben. Bei größeren Bäumen können auch mehr sinnvoll sein. Bei Neuanpflanzungen werden die Siebrohre an den Wurzelballen des Baumes angrenzend platziert, bei bestehenden Bäumen platziert man diese am halben Weg zwischen Baumstamm und dem äußersten Rand der Baumkrone.

Siebrohre werden in Längen von 25 bis 90 Zentimetern angeboten. Der Fachbegriff für diese Art von Bewässerung lautet „Wurzelzonenbewässerung“. Als Alternative zum Hunter RZWS System, wird noch das praktisch gleich funktionierende Rain Bird RWS System angeboten, weitere Anbieter wären mir in meinen Recherchen nicht untergekommen.

Im Anschluss die Siebrohr-Bewässerungssysteme von Hunter und Rain Bird bei Amazon
(Achtung beim Kauf: Manche Verkaufsangebote beinhalten teils nur das Rohr ohne technisches Innenleben)

Rain Bird RWS Hunter RZWS

Gießring/Gießrand

Dabei handelt es sich um eine in der Regel ringförmige Einfassung, die um den Baumstamm montiert wird. Hochwertige Gießringe fassen dabei bis zu 100 und mehr Liter Wasser und sind aus stabilem Material gefertigt, um ein Verformen des relativ hohen Ringes (bis zu 30 Zentimeter Höhe und mehr) durch das nach außen drückende Wasser unterbindet.

Die Anwendung ist simpel: Der Gießring wird mit Wasser angefüllt, das Wasser kann durch die Randbegrenzung nicht wegfließen und fließt somit im Wurzelbereich in der Erde. Und zwar relativ abrupt, eine langsame kontinuierliche Abgabe wie beim Baumsack oder Siebrohr erreicht man mit dieser Methode nicht. Manche Gießringe zeigen zur besseren Orientierung den Wasserstand im Ring anhand von Markierungen an.

So einen Gießring bzw. Gießrand kann man sich natürlich auch selbst bauen, dabei sollte aber – vor allem wenn der Ring größere Wassermengen einfassen soll und frei steht – auf die angesprochene ausreichende Stabilität geachtet werden. Übliche Raseneinfassungen bzw. andere weichere Materialien kann man nur dann verwenden, wenn der Gießring im Boden versenkt wird und somit das Erdreich seitlich stützt.

Kostenlose Baumbewässerungsmethoden

Ganz ohne Geld auszugeben, kann man sich mit einem Gießrand aus aufgeschütteter Erde bzw. einer Gießmulde behelfen:

Gießrand aus Erde

Statt einen fertigen Gießring zu kaufen, schüttet man einfach einen Erdwall rund um den Baum auf. Dieser hält nicht für die Ewigkeit, erfüllt aber seinen Zweck das Wasser am Ablaufen aus dem Wurzelbereich zu hindern.

So wird ein Gießrand aus Erde gemacht

Gießmulde

Im Prinzip wie zuvor, nur das jetzt keine seitliche Begrenzung aufgeschüttet wird, sondern stattdessen der Kreis um den Wurzelbereich einige Zentimeter tief ausgegraben wird, so dass das Wasser beim Gießen in dieser Mulde verbleibt.