In diesem Blogbeitrag werden die drei unterschiedlichen Brunnentypen vorgestellt und erklärt, welche Vor- und Nachteile diese jeweils haben und für welchen Zweck sich welcher Brunnentyp eignet.

Grundsätzlich wird zwischen drei Brunnentypen unterschieden:

  • Gegrabener Brunnen (Schachtbrunnen)
  • Geschlagener Brunnen (Ramm- bzw. Schlagbrunnen)
  • Gebohrter Brunnen (Bohrbrunnen)

Im Anschluss eine Vorstellung der drei Typen:

Gegrabener Brunnen (Schachtbrunnen)

Der gegrabene Brunnen ist der klassische Märchenbrunnen, den man beim Gedanken an einen Brunnen typischerweise im Kopf hat. Ein Brunnen mit großem Durchmesser und gemauerten Seitenwänden, aus dem das Wasser manuell mit einem Eimer entnommen wird.

So ein Brunnen eignet sich prinzipiell für Gegenden mit einem hohen Grundwasserspiegel und kann bis zu einer Brunnentiefe von maximal 4 Metern theoretisch auch in Eigenregie gegraben werden. Allerdings sind diese Arbeiten vergleichsweise gefährlich, bewegt man sich als Grabender doch zwischen schweren und möglicherweise instabilen Erdmassen. Die Vorgehensweise ist folgende: Es wird ein Loch mit zumindest 80 Zentimeter, zumeist aber zumindest 1,20 Meter Durchmesser gegraben. In das Loch wird dann ein Betonring gelassen und gerade ausgerichtet. Bzw. in der klassischen Variante eine kreisförmige Mauer erstellt. Unterhalb des Betonrings wird dann sukzessive weiter abgegraben, sodass dieser weiter nach unten sinkt. Im Anschluss wird ein weiterer Ring daraufgesetzt und dieser Vorgang so lange wiederholt bis man das Grundwasser erreicht hat und im Brunnen einen Wasserstand von 20 bis 40 Zentimetern hat.

Der gegrabene Brunnen spielt heute im Brunnenbau praktisch keine Rolle mehr, ich gehe auf diese Art von Brunnen im Anschluss auch nicht weiter ein, da es keinen wirklichen Grund gibt, einen solchen Brunnen zu realisieren. Zu groß sind die Nachteile: Die Errichtung ist relativ aufwändig und kostspielig und anders, als man es glauben würde, ist nur eine vergleichsweise geringe Wasserentnahme möglich. Das Wasser fließt bei dieser Brunnenart ja hauptsächlich von unten nach und so dauert es seine Zeit, bis entnommenes Wasser wieder ersetzt wurde. Auch ist eine Abdichtung gegen Oberflächenwasser nicht wirklich möglich, so dass dieses direkt in den Brunnen fließt. Für den Betrieb einer automatischen Gartenbewässerung ist ein gegrabener Brunnen gänzlich ungeeignet. Das einzige Argument, das wirklich für einen gegrabenen Brunnen spricht, ist sein dekoratives Erscheinungsbild. Hier kann man sich jedoch viel sinnvoller damit behelfen, dass man einen Ramm- oder Bohrbrunnen schön verkleidet und auf diese Weise wie einen gegrabenen Brunnen aussehen lässt.

Geschlagener Brunnen (Ramm- bzw. Schlagbrunnen)

Der geschlagene Brunnen ist ein verhältnismäßig einfach zu realisierender Brunnen, bei dessen Bau man mit einer Elektroramme oder einem Vorschlaghammer ein hohles Metallrohr in die Erde, bis ca. 2 bis 3 Meter unterhalb der Grundwassergrenze, treibt. Das Rohr des Rammbrunnens ist mit im Normalfall 1 1/4 Zoll (= ca. 42 mm)  zu schmal, um eine Pumpe darin zu platzieren und daher kann diese Art von Brunnen nur mit einer auf der Erdoberfläche platzierten Saugpumpe betrieben werden.

Da diese Pumpen aus physikalischen Gründen nur bis zu einer Tiefe von 8 bis 9 Metern funktionieren, sind Rammbrunnen nur bis zu einem Grundwasserstand von maximal 6 Metern möglich. Damit bleiben nach dem Wasserbeginn in 6 Metern noch zusätzliche 2 Meter, die der Brunnen in das Grundwasser getrieben wird.

Eine Untervariante des Rammbrunnens ist der Spülbrunnen. Er ist vom Aufbau her exakt gleich, wird aber anders gebaut: Das Brunnenrohr wird nicht in die Erde geschlagen, sondern Erde und Gestein unterhalb der Filterspitze werden mit einem Wasserstrahl mit großem Wasserdruck zur Seite gespült und das Brunnenrohr gleichzeitig Schritt für Schritt weiter versenkt.

Der Rohrdurchmesser des Rammbrunnens ist weit geringer, als jener eines Bohrbrunnens und daher ermöglicht diese Art von Brunnen auch eine weit geringere Förderleistung von maximal 700 bis 800 Liter/Stunde. Bei Verdoppelung des Filterbereichs mit zusätzlicher Filterverlängerung wären 1.400 bis 1.600 Liter/Stunde möglich, bei schlechter Bodenbeschaffenheit kann der erzielbare Wert aber auch darunter liegen.

Der Rammbrunnen ist der perfekte Brunnen, wenn man mit überschaubarem Aufwand und geringen Kosten einen Brunnen realisieren möchte. Die Installation ist, wenn alles glatt geht, an einem Tag erledigt. Der Brunnenbau hat eine geringe Komplexität und ist in Eigenregie um wenige Hundert Euro möglich. Die Kosten beschränken sich auf das Schlagrohr, einige Verbindungsstücke und eine geeignete Pumpe.
Ein Nachteil dieses Brunnentyps ist die beschränkte Förderkapazität: Selbst mit der optimalen Ausbeute von 800 Litern/Stunde ist man, was den Betrieb einer Gartenbewässerung anbelangt, am untersten Limit. Damit ist nur ein Mikrobewässerungssystem oder ein sehr klein dimensioniertes gewöhnliches Bewässerungssystem möglich. Mit einer Verdoppelung der Kapazität durch eine Filterverlängerung käme man in einen Bereich, in dem man halbwegs arbeiten kann.

Ein weiterer Nachteil ist die im Vergleich zum Bohrbrunnen deutlich kürzere Lebensdauer. Der Brunnenfilter setzt sich mit der Zeit immer mehr zu bzw. verockert.  Die Folgen kann man teilweise durch Maßnahmen wie Spülen des Brunnens lindern, irgendwann kommt aber gar kein Wasser mehr in den Brunnen und der Brunnen muss aufgegeben werden. Allerdings ist es sehr schwierig, konkrete Angaben zur Lebenserwartung zu machen, da diese sehr stark von Faktoren wie der Bodenbeschaffenheit und wie stark man den Brunnen durch die Förderung hoher Wassermengen beansprucht, abhängt. Oftmals liest man in Fachforen von 5 Jahren als durchschnittliche Lebensdauer eines Rammbrunnens, Fachautor Albrecht Trunk nennt in seinem Handbuch zum Brunnenbohren 15 bis 25 Jahre, also deutlich mehr. Meine eigene Erfahrung liegt eher im Bereich von Hrn. Trunk. Ich kenne keinen Rammbrunnen, der nach 5 Jahren schon am Ende war, dafür aber auch solche, die nach 25 Jahren noch immer laufen. Auf jeden Fall scheint dieser Wert sehr stark zu variieren.

Bohrbrunnen

Der Bohrbrunnen ist jener Brunnentyp, mit dem man keine Kompromisse eingeht, er ist aber auch deutlich schwerer zu realisieren und um einiges teurer als ein Schlagbrunnen. Beim Bau des Bohrbrunnens wird zuerst mit einem Erdbohrer bis zum Grundwasserbeginn gebohrt. Anschließend wird Brunnenrohr in Bohrlochlänge in das Bohrloch gestellt und das Rohr mit einer im Rohr herabgelassenen Kiespumpe weitere ca. 5 Meter in das Grundwasser abgeteuft.

Der Bohrbrunnen ist jener Brunnentyp mit der größten Wasserkapazität. Das Rohr des Bohrbrunnens kann je nach benötigter Wasserkapazität unterschiedlich breit sein, beginnen tun Bohrbrunnen in der Regel bei einem Durchmesser von 3 Zoll (8 Zentimeter), besser ist es zumindest einen 4 Zoll (10 Zentimeter) Durchmesser zu wählen. Bei einem 4 Zoll Brunnenrohr ist je Meter Filterstrecke eine Wasserentnahme von ca. 1.500 Liter möglich. Bei einem Bohrbrunnen werden zumindest 2 Meter Filter verbaut, bei großem Wasserbedarf teils auch 3 Meter und mehr. Mit dieser hohen Wasserkapazität ist der Bohrbrunnen der perfekte Brunnen für den Betrieb einer automatischen Bewässerungsanlage.

Aufgrund der Verwendung von stabilen Kunststoff-Brunnenrohren und des wesentlich größeren Filterbereiches, haben Bohrbrunnen eine lange Lebensdauer. Es werden oft 30 bis 40 Jahre als Anhaltspunkt genannt, einen Bohrbrunnen kann man wenn die Rahmenbedingungen stimmen lebenslang haben und sogar noch an die Nachfolgegeneration vererben.

Einziger Nachteil des Bohrbrunnens sind die wesentlich komplexere Installation und die höheren Kosten. Einen Bohrbrunnen in Eigenregie umzusetzen, ist möglich, aber durchaus bereits ein Projekt mittleren Schwierigkeitsgrades. Sind die Bodenverhältnisse günstig und kommt es zu keinen unvorhergesehenen Zwischenfällen, kann das Projekt bei seriöser Vorbereitung in wenigen Tagen erledigt sein. Stellen sich Hindernisse in den Weg, dann können die Arbeiten aber auch deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen und flexible Lösungen erforderlich sein. Aus diesem Grund kommt auch die Beauftragung eines Professionisten hier deutlich teurer als bei einem Rammbrunnen. Und davon abgesehen sind auch die Materialkosten für einen Bohrbrunnen deutlich höher als für einen Rammbrunnen.